Die Biografie zu Ingo Maurer von Bianca Killmann für TAGWERC.

Biografie zu Ingo Maurer

„Die Qualität des Lichts ist für mich bedeutender als die Form und so habe ich mich darauf konzentriert“, äußert sich Ingo Maurer zu seiner Arbeit als einer der bedeutendsten Licht-Designer des 20. Jahrhunderts. Seinen Leuchtenentwürfen voran geht die ikonischen Leuchte „Bulb“, die 1966 durch eine Fügung des Schicksals entstand und die Ingo Maurer zeitlebens begleitet: „Die Glühbirne war schon immer mein Leitmotiv, von Anfang an.“ Die Entwürfe Maurers sind mannigfaltig und entstehen mitunter in symbiotischer Kooperation mit anderen Gestaltern wie im Jahre 2012 mit Moritz Waldemeyer bei der LED-Leuchte mit dem bezeichnenden Namen „My New Flame“.

Ingo Maurer wird am 12. Mai 1932 als Sohn eines Fischers und Erfinders auf der deutschen Bodenseeinsel Reichenau geboren. Zusammen mit vier Geschwister wächst er hier frei und naturverbunden auf, bevor Mauerer eine Ausbildung zum Typografen im nahegelegnen Konstanz absolviert. Von 1954 bis 1958 studiert Maurer in München Grafik. Zwei Jahre später nutzt er die Chance in den Vereinigten Staaten – in New York und in San Francisco – bis 1963 als Grafikdesigner Berufserfahrung zu sammeln. Zurück in Deutschland gründet Maurer 1966 „Design M“, eine Firma für Industriedesign, unter welcher seine eigenen Leuchtenentwürfe bis zur Produktreife entwickelt, gefertigt und vertrieben werden. „Bulb“, eine überdimensionale Glühlampe, ist 1966 einer seiner ersten Entwürfe, der sogleich 1969 in die ständige Design-Sammlung des Museum of Modern Art (MoMA) in New York aufgenommen wird.

Liebe auf den ersten Blick

Die Entstehungsgeschichte der „Bulb“ Tisch- und Stehleuchte ist so einfach wie genial. Maurer erzählt, er habe beruflich in Venedig zutun gehabt und sei nach einem wunderbaren Essen mit einer Flasche Rotwein in seine einfache Herberge zurückgekehrt. Dort erleuchtet eine ‚nackte‘ Glühlampe sein Zimmer. „Es war wie ein ‚coup de foudre‘ (‚Liebe auf den ersten Blick‘)!“, erinnert sich Maurer. Noch angeschickert zeichnet er eine Leuchte, sucht sich am nächsten Tag auf Murano eine Manufaktur, die innerhalb von anderthalb Tagen einen ersten Entwurf für das Glas fertigt. Zurück in München wird das Glas um einen Fuß aus gedrücktem Metall ergänzt. „Die Bulb war geboren!“

Tränen des Fischers

Doch nicht immer geht es von der ersten Idee zum fertigen Objekt so schnell wie bei „Bulb“. „Mit manchen Ideen gehe ich lange ‚schwanger‘.“ Zum Beispiel die „Lacrime del Pescatore“. Das charismatische Lichtobjekt, das aus drei Nylonnetzen, hunderten Kristallen und einem Strahler besteht, ist sein wohl langwierigster Entwurf. „Diese Idee habe ich Jahrzehnte mit mir herumgetragen, bevor ich sie realisiert habe“, erzählt Maurer. Sicherlich auch, weil die Geschichte hinter diesem Lichtobjekt mit der Kindheit Maurers verknüpft ist. So ist „Lacrime del Pescatore“ – die “Tränen des Fischers“ eine Hommage an das Fischerdorf am Bodensee, in dem Ingo Maurer aufgewachsen ist.

Neufirmierung und Fächerleuchten

Etwa zur selben Zeit, als die Firma „Design M“ aufhört und die „Ingo Maurer Lighting GmbH“ in München beginnt, es ist das Jahr 1973, kommen Maurers Fächerleuchten „Uchiwa“ in Mode. Die Fächer für die Leuchten werden von Shigeki-San, einem großen Meister der Fächerherstellung, in einer traditionellen Fächermanufaktur nach traditionellen Fertigungsmethoden in Japan hergestellt.

Bahnbrechendes Beleuchtungssystem

1984 folgt das Niedervolt-Beleuchtungssystem „YaYaHo“. Es besteht aus zwei horizontalen Metalldrähten und frei beweglichen Lichtelementen mit Halogenlampen, die individuell zusammengestellt und ausgerichtet werden können. Auch diese Idee reift einige Jahre bis zur serienreifen Umsetzung. Sie entsteht während eines Silvesteraufenthaltes Maurers auf Haiti. Am Neujahrsmorgen soll der Lichtdesigner an einem kleinen Platz eine überdimensionale Glühlampe erblickt haben, die direkt an die Leitung gelötet war. Maurer nimmt die Idee mit zurück in sein New Yorker Atelier. Für eine erste Visualisierung beginnt Maurer mit seinem Team, Schnüre zu spannen. Das bahnbrechende Beleuchtungssystem „YaYaHo“ wird zum Vorbild vieler Nachahmer.

One from the Heart

1989 entwirft Ingo Maurer die TischleuchteOne From The Heart“ als Hochzeitsgeschenk für Freunde. Das Lichtobjekt kommt so gut an, dass es schließlich zur Serienreife weiterentwickelt wird und bis heute fester Bestandteil der Ingo Maurer Kollektion ist. Weitere prominente Entwürfe Ingo Maurers sind: die Storchenbeine “Bibibibi” (1982) aus rotem Kunststoff, das Flügelpaar “Lucellino” (1992), die Pendelleuchten “Porca Miseria!” (1994) und “Zettel’z 5” (1997) sowie Alizz T. Cooper (2008). Seit den frühen 1980er Jahren kooperiert Maurer mit einer Gruppe von Entwicklern, die ihn bei der Umsetzung seiner Ideen unterstützen.

Licht sollte schweben!

Im Jahr vor der Jahrtausendwende eröffnet Maurer seinen ersten Showroom in New York, 2009 folgt ein zweiter, größerer Showroom in München, der auch für Ausstellungen genutzt wird. Neben den eigenen Showrooms sind Ingo Maurers Messestände, die eher als Installationen bezeichnet werden können, auf der ‚Euroluce‘ in Mailand, Italien oder etwa der ‚Light and Building‘ in Frankfurt, Deutschland, legendär. Neben einer starken Formensprache seiner Lichtobjekte arbeitet Maurer mit deren besonderer (Licht-)Wirkung auf den Menschen. Dabei haben die meisten Menschen in ihren eigenen vier Wänden Leuchten, die unmittelbar an der Decke oder kurz darunter montiert sind. Nichts für Ingo Maurer. Seine Überzeugung: Licht sollte schweben!

Internationale Lichtinstallationen

1990 beginnt Ingo Maurer neben Leuchten auch Lichtinstallationen für öffentliche und private Auftraggeber zu entwickeln. In diesem Zusammenhang hervorzuheben sind seine gewölbten Lichtobjekte im U-Bahnhof Westfriedhof in München aus 1998. Ein Jahr darauf konzipiert Maurer für den Modedesigner Issey Miyake eine Lichtinstallation für dessen Modenschau in Paris und entwickelt ein Lichtobjekt für den Showroom in London. Lichtinstallationen und Lichtobjekte für den Innenraum des Atomiums in Brüssel stehen 2006 auf Maurers Gestaltungsplan. Für Bodegas Vega Sicilia in der Weinregion Ribera del Duero / Spanien entwickelt Maurer im Jahre 2013 unter anderem einen rund acht Meter hohen und etwa sechs Meter breiten Baum aus Cortenstahl, „The Tree“ wie Maurer ihn nennt, thront über den Weinreben wie ein Beschützer und ist bereits aus der Ferne auszumachen. Auch im Hotelsektor arbeitet Ingo Maurer international: „Flying Discs“ für Hotellobby und Hotelbar des Unique Hotels in Sao Paulo / Brasilien im Jahre 2016, das sogenannte „Goldene Band“ für die Lobby des Seamarq Hotels in Gangneung, Südkorea im Jahre 2015 und „Pendulum“, ein fast zwei Meter langes, hochglanzpoliertes Pendel für das Luxushotel „The London Edition“ in London, England.

U-Bahn Beleuchtungs- und Farbkonzepte

Sein U-Bahn Beleuchtungskonzept trifft in München auf Begeisterung und viel Zuspruch, dass Maurer von 2008 bis 2009 ein weiteres Beleuchtungs- und Farbkonzept für den U-Bahnhof Münchner Freiheit entwickelt. Es folgen Beleuchtungslösungen für folgende Stationen: Moosfeld (1999), Marienplatz (2015), Sendlinger Tor (2022), alle in München, sowie sieben Stationen der Karlsruher Stadtbahn in 2021. Seine weiteren Projekte in München: Lichtinstallation innerhalb des Shopdesigns für das Sporthaus Schuster (2018) und Lichtkonzept für das Münchner Residenztheater mit Silver Cloud Lichtinstallation im Wintergarten und roten LED-Schildern (2019). Die Liste von Sonderanfertigungen und Einzelstücken für private Bauherren und öffentliche Gebäude – national wie international – ist lang. Sie beginnt bei Lichtlösungen für das Radisson Collection Hotel in Tsinandali, Georgien und endet noch lange nicht beim „Flying to Peace-Pendel“ für die Frankfurter Messe, Deutschland (beide in 2018).

Internationale Ausstellungen

Ingo Maurers Entwürfe und Objekte werden in vielen Ausstellungen gezeigt, darunter Einzelausstellungen: „Ingo Maurer: Working with Light“ in der Villa Stuck, München (1992), „Licht licht“ im Stedelijk Museum in Amsterdam (1993), „Ephemeral visionary „Ingo Maurer.Light” im Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt, die vom Vitra Design Museum organisierte Wanderausstellung „Ingo Maurer: Light – Reaching the Moon” in Europa und Japan (2002). Die Neue Sammlung – Museum für Gestaltung eröffnet am 15.11.2019 eine Monoausstellung mit mehr als 80 Objekten des Lichtdesigners. Ingo Maurer kann die Ausstellung nicht mehr selber eröffnen. Er verstirbt vor Ausstellungseröffnung am 21. Oktober 2019 in München.

„Neugier und Freude an Neuem ist nicht vom Alter abhängig“, lautet Ingo Maurers Credo, das auch in seinen Entwürfen spürbar ist. Wahrscheinlich genau deshalb sind seine Design Objekte so einzigartig und absolut zeitlos.

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Die Biografie ist urheberrechtlich geschützt.

Designs

  • 1966
    Tischleuchte „Bulb“
  • 1970
    Light Structure
  • 1984
    Seilsystem „YaYaHo” ( Ingo Maurer und Team )
  • 1989
    Tischleuchte „One from the heart“
  • 1993
    Pendelleuchte „Oh Mei Ma“
  • 1994
    Pendelleuchte „Porca Miseria!“
  • 1997
    Pendelleuchte „Zettel’z 5“
  • 1998
    Pendelleuchte „Zettel’z 6“
  • 1998
    Buchstützenleuchte „Oskar“
  • 2010
    Pendelleuchte „Comic Explosion“
  • 2014
    Tischleuchte „I Ricchi Poveri – Bzzzz“
  • 2014
    Tischleuchte „I Ricchi Poveri – Toto“
  • 2016
    Designobjekt „Mickey’s Manifesto“ für The Walt Disney Company
  • 2018
    Pendelleuchte „Butterflies dreaming“
  • 2018
    Leuchten Serie „Luzy Take Five“

Ausstellungen

    • 2004
      Spazio Krizia
    • 2006
      „One Thousand and One Lights“ Spazio Krizia
    • 2009
      „Lacrime del Pescatore“ Spazio Krizia
    • 2010
      „Spirits Flying High!“ Ingo Maurer und Team
    • 2012
      „A Dozen Red Things“ Spazio Krizia
    • 2013
      „​Flying Flames“ Spazio Krizia
    • 2013
      „Euroluce“
    • 2014
      „Il Laboratorio – Das Atelier“ Spazio Krizia
    • 2016
      „Installation zur Salone del Mobile“ San Paolo Converso

Auszeichnungen

  • 1998
    A&W-Designer des Jahres
  • 1999
    Designpreis der Landeshauptstadt München
  • 2000
    Lucky Strike Designer Award der Raymond Loewy Foundation
  • 2002
    Collab’s Design Excellence Award, Philadelphia Museum of Art
  • 2003
    Georg Jensen Prize, Kopenhagen
  • 2003
    Oribe Award, Japan
  • 2005
    Royal Designer of Industry (Ehrentitel) durch die Royal Society of Arts, London
  • 2006
    Ehrendoktorwürde, Royal College of Art, London
  • 2009
    Kölner Klopfer, durch die Studenten der Köln International School of Design
  • 2010
    Designpreis der Bundesrepublik Deutschland, für das Lebenswerk
  • 2011
    Compasso d’Oro des italienischen Verbandes für Industriedesign ADI, Kategorie Karriere
  • 2019
    Schwabinger Kunstpreis

Ingo Maurer Design, das von Ingo Maurer hergestellt wird.

Pendelleuchte Birdie

Tischleuchte Birdie's Busch

Deckenleuchte Birdie's Nest

Pendelleuchte Birds Birds Birds

Tischleuchte Bulb

Wandleuchten Lucellino

Tischleuchte Lucellino

Tischleuchte One from the Heart

Pendelleuchte Zettel'z 5

Pendelleuchte Zettel'z 6

Pendelleuchte Zettel'z Laughing Buddha

Ingo Maurer Designs sind in folgenden Museen vertreten.

Museen